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Der Quintenzirkel

Der Quintenzirkel

musiktheorie

Im Quintenzirkel sind alle Tonarten dargestellt und in einem Kreis angeordnet. Sie sind nach Anzahl ihrer Vorzeichen sortiert, so dass man eine gute Übersicht über die Verwandtschaftsbeziehungen verschiedener Tonarten erhält. Außerdem hilft er dabei, anhand der Vorzeichen schnell die Tonart eines Stücks zu erkennen.

 

Hoher Konsonanzgrad der Quinte

Zwischen Grundton und Quinte besteht aufgrund des hohen Konsonanzgrades eine enge Verwandtschaft. Physikalisch lässt sich das mit dem besonders reinen Frequenzverhältnis 3:2 erklären.  

Die Verwandtschaft zwischen Akkorden im Quintabstand wird für die Bildung von Schlüssen und Modulationen (den eleganten Übergang in eine andere Tonart) genutzt. Denn die Folge V. Stufe — I. Stufe klingt besonders harmonisch, während der Quintsprung abwärts im Bass sowie der aufgelöste Leitton (7–8) abschließend wirken und die vorangegangene musikalische Spannung lösen. 

Komplementärintervalle Quarte und Quinte

Beachte: Da Quinte und Quarte Komplementärintervalle sind, ist es egal, ob man eine Quinte nach oben oder eine Quarte nach unten geht.

Ein paar Praxistipps zu Komplementärintervallen findest du in diesem Blogartikel

Anordnung der Tonarten

Der Quintenzirkel zeigt oben C-Dur (kein Vorzeichen) und im Uhrzeigersinn die Vorzeichen der Kreuz-Tonarten, um je ein Kreuz zunehmend. Es geht also immer eine Quinte aufwärts. 

Gegen den Uhrzeigersinn stehen die Tonarten mit b-Vorzeichen, jeweils eine Quinte absteigend und damit immer um ein b zunehmend. Unten treffen sich die Tonarten bei Fis-Dur (6#) bzw. Ges-Dur (6b). Fis-Dur und Ges-Dur haben — enharmonisch verwechselt — den selben Tonvorrat. Es ist also problemlos möglich, an dieser „Schnittstelle“ von den #-Tonarten in die b-Tonarten und umgekehrt zu wechseln. 

Wenn man auf der Klaviatur immer weiter eine Quinte nach oben geht, kommt man irgendwann wieder beim Grundton raus. Umgekehrt, also immer weiter eine Quinte abwärts, funktioniert es genauso. Dabei wird jeder Ton der chromatischen Tonleiter genau einmal erreicht. 

Im Quintenzirkel sind außen die Dur-Tonarten angeordnet, innen ihre parallele Moll-Tonart, die die selben Vorzeichen aufweist.

Die Quintfallsequenz

Ein Beispiel zur Modulation: Während c und d zwar nur einen Ganzton voneinander entfernt liegen, hat die Tonart D-Dur trotzdem zwei Vorzeichen mehr als C-Dur.

C-Dur ist aber eng mit G-Dur verwandt, da zwischen den beiden Akkorden nur ein Quintabstand besteht. Und zwischen G-Dur und D-Dur besteht ebenfalls nur ein Quintabstand. Während also C-Dur eine Quinte unter G-Dur liegt, ist D-Dur eine Quinte über G-Dur. C- und D-Dur sind also nicht direkt miteinander verwandt, haben aber einen gemeinsam Verwandten.

Auf dem Quintenzirkel sieht man, dass diese drei Tonarten genau so angeordnet sind und so wird auch der milde Übergang noch einmal deutlich: Zwischen C-Dur und G-Du bzw. G-Dur und D-Dur ist jeweils nur ein Unterschied von einem Vorzeichen. 

Der Quintenzirkel lässt sich damit hervorragend zur Modulation nutzen. Egal, bei welcher Tonart man startet: Man kann über Quintsprünge von Tonart zu Tonart gehen und dann in der Zieltonart mit einer Kadenz „aussteigen“. Sehr beliebt ist es, in Quinten abwärts zu gehen und dabei auf jeder Stufe ein Motiv zu sequenzieren. Das ist dann eine Quintfallsequenz. Diese ist allerdings ein eigenes Thema, das wir an anderer Stelle behandeln wollen. 

Tonvorrat der Tonarten

Die Verwandtschaft von Tonarten im Quintabstand wird deutlich, wenn man sich bewusst macht, dass sich ihr Tonvorrat (die Töne, die in diese Tonart „vorkommen“) immer nur in einem Ton unterscheidet. 

Zum Beispiel hat C-Dur die Töne C — D — E — F — G — A — H, die Tonart in der Oberquinte G-Dur die Töne G — A — H — C — D — E — Fis. Die Tonart der Unterquinte, F-Dur, hat die Töne F — G — A — B — C — D — E. 

Daraus kann man folgern, dass eine Tonart, die zwei Quinten entfernt ist (also zwei Schritte auf dem Quintenzirkel), zwei abweichende Töne hat. 

Ein Beispiel dafür: D-Dur hat die Töne D — E — Fis — G — A — H — Cis. Zwei Schritte weiter liegt E-Dur mit den Tönen E — Fis — Gis — A — H — Cis — Dis. 

Diese Regel kann für jeden weiteren Schritt fortgeführt werden und verändert den Tonvorrat um jeweils einen veränderten Ton.

Bedeutung des Quintenzirkels

Anhand des Quintenzirkels können wir schnell feststellen, wie viele Vorzeichen eine Tonart hat.

Umgekehrt können wir anhand der Vorzeichen eines Stücks schnell ablesen, in welcher Tonart dieses steht (dabei müssen nur noch den Grundton bzw. das Tongeschlecht des Stücks berücksichtigen um die richtige Dur- bzw. Moll-Tonart zu identifizieren). Mehr dazu auch im Artikel „Tonarten erkennen“. 

Der Quintenzirkel stellt außerdem die dominantischen Verwandschaftsverhältnisse dar: Gehen wir von einer Tonart einen Schritt gegen den Uhrzeigersinn weiter, landen wir bei der Dominante, einen zusätzlichen Schritt weiter dann bei der Doppeldominante. Im Uhrzeigersinn gelangen wir jeweils zur Subdominante. Innen bzw. außen steht jeweils die Parallele der Funktion.

Für die Funtkionsanalyse liefert uns ein Blick auf den Quintenzirkel also schnell Informationen zu allen Funtkionen, da wir die drei Hauptfunktionen und jeweils deren Parallele direkt ablesen können. 

Beispiel Tonika C-Dur: Im Uhrzeigersinn steht als Nachbar die Dominante G-Dur, gegen den Uhrzeigersinn die Subdominante F-Dur. Innen sehen wir die Tonikaparallele a-Moll. Im Uhrzeigersinn (direkt bei Dominante G-Dur) entsprechend die Dominantparallele e-Moll, gegen den Uhrzeigersinn die Subdominantparallele d-Moll. 

Merksprüche

Man kann sich den Quintenzirkel über die Quintverhältnisse leicht logisch herleiten: Einfach bei C-Dur ohne Vorzeichen beginnen und in jede Richtung pro Quintschritt ein Vorzeichen addieren. 

Es gibt auch Merksprüche für den Quintenzirkel: 

 

#-Tonarten in Dur: 

Geh

D

Alter

Esel

Hol 

Fische

#

# # 

# # # 

# # # # 

# # # # #

# # # # # #

 

b-Tonarten in Dur:

Frische

Brötchen

Essen

Asse

Des

Gesangs

b

b b

b b b

b b b b

b b b b b

b b b b b b

 

#-Tonarten in Moll: 

ein

hai

fisch

cischt 

gisela 

diskret

an 

#

# # 

# # # 

# # # # 

# # # # #

# # # # # #

 

 

b-Tonarten in Moll:

der

ganze

chor

friert 

beim

essen

b

b b

b b b

b b b b

b b b b b

b b b b b b

 

 

Beispiel: Vorzeichen von E-Dur bestimmen: Merkspruch Geh Du Alter Esel sind vier Wörter, also # # # #

Benennung von Tonleitern 

In der Regel schreibst man den Grundton in Dur immer groß, in Moll immer klein. Das Tongeschlecht schreibt man immer groß. Also: C-Dur — c-Moll, D-Dur — d-Moll, Es-Dur — es-Moll…

Der Kurs von HfM Vorbereitung 

Im Video zum Quintenzirkel beschreibt Moritz noch eine weitere, simple, Methode zur Arbeit mit dem Quintenzirkel. Um mehr über das Erkennen und Schreiben von Schlüssen und alles andere über Musiktheorie und Gehörbildung zu lernen und zu üben, mache unseren Kurs mit vielen Lernvideos, Quiz und Arbeitsblättern! 

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